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Immer wieder überhöhte Telefonabrechnungen durch angebliche Internetverbindungen!

Geschrieben von Virabell Schuster am 23. Mai 2011 um 09:45 Uhr

GPRS/UMTS oder WAP Verbindung oder E-Plus WAP oder Abrechnung nach Datenvolumen!

Wer sich mit diesen Begriffen nicht auskennt und/oder sein neu gekauftes Handy nicht entsprechend einstellt, der bekommt schon mal am Monatsende eine überhöhte Telefonrechnung! Nun, überhöht ist gelinde ausgedrückt, es geht schon mal um Beträge bis zu 6.000,00 EUR.

Worum geht es genau? Meist wird ein neues Handy gekauft und im Zuge dessen ein (angeblich) neuer Vertrag abgeschlossen. Da wählte der Kunde angeblich ein GPRS Tarif und„GPRS by Call“ sei aktiviert worden. Weiter heißt es: „Die Preise für die WAP-Verbindung seien vom gewählten Zugangsdienst (CSD- oder GPRS-Dienst) abhängig. Bei der CSD Einwahl würde zeitbasiert abgerechnet, bei der GPRS-Einwahl volumenbasiert. Die WAP-Kosten seien abhängig vom gewählten GPRS-Dienstepaket. So betrage zum Beispiel der GPRS Tarif 20,00 EUR pro MB bei 1-kb-Taktung. Gut nur, dass der Kunde am Telefon nicht gleich alles versteht, denkt sich der freundliche Telekommunikationsverkäufer. Und dass der Kunde eigentlich eine Flate-Rate für 10,00 EUR im Monat für den Internetzugang haben wollte….., na ja, das wird dann einfach überhört.

Wie geht die Geschichte weiter? Der Anschluss des Kunden wird plötzlich „passiviert“. Grund: „Highspender, da die Rufnummer im High-Usage Monitoring mit Internet, WAP registriert wurde“. Dann kommt die Rechnung. Abgerechnet werden Internetverbindungen im vierstelligen Bereich. Angeblich seien hohe Datenmengen in kürzester Zeit abgerufen wordenwelche nun aufgrund der Vertragsumstellung in Rechnung gestellt werden.

Hier ist guter Rat teuer und die Verzweiflung groß. Widerspruch gegen die Rechnung einlegen; Schlichtungsverfahren bei der Bundesnetzagentur einlegen. Alles ohne Erfolg. Damuß man schon gute Nerven und Durchhaltevermögen haben. Denn der Mobilfunkvertragspartner beruft sich auf Einzelverbindungsnachweise und Prüfberichte zur Beurteilung der ordnungemäßen Funktion von Wirknetz und Abrechnungssystem. Gut, dass das auch kaum einer versteht. Und wer geht da schon zum Anwalt?

Eine Mobilfunkkundin hatte jedoch diese Nerven und das Durchhaltevermögen und offensichtlich einen guten Anwalt. In zweiter Instanz wurde sie verurteilt, an ihren Mobilfunkvertragspartner anstatt der eingeklagten 1.604,14 EUR nur noch 3,83 EUR zu bezahlen.

Das Landgericht Arnsberg urteilte am 12.04.2011, Az 3 S 155/10:

„Aus der Vorlage des Einzelverbindungsnachweises i. V. m. dem technischen Prüfungsprotokoll ergibt sich bezüglich der Datenverbindung kein Beweis des ersten Anscheins für eine Herstellung der Verbindungen durch die Beklagte (….). Für den Kunden wäre eine Erschütterung des Anscheins faktisch nicht möglich. Im Unterschied zu Gesprächsverbindungen, bei denen die (gekürzte) Rufnummer angegeben wird, so dass ausreichende Anknüpfungspunkte für die Erschütterung des Anscheins zur Verfügung stehen, ergeben sich solche Anknüpfungspunkte bei Datenverbindungen nicht. Die Bezeichnung der Verbindung „GPRS by Call Web“ eröffnet dem Kunden keinerlei Möglichkeit zu überprüfen, welche Verbindung er aufgebaut haben soll.“

Handlungsempfehlung:

  • Widerspruch gegen die Telefonabrechnung einlegen, jedoch nur gegen den Teil, der überhöht abgerechnet wurde; der unstreitige Betrag soll bezahlt werden.
  • Widerspruch einlegen gegen die Übermittlung personenbezogener Daten an die SCHUFA.
  • Vereinbaren, dass kein Mahnverfahren bis zur Klärung der Angelegenheit eingeleitet wird.
  • Schlichtungsverfahren bei der Bundesnetzagentur einleiten ????? Das ist eine schwierige Frage. Ein Vergleich ist sicherlich auch ohne Schlichtungsstelle auszuhandeln. Das Schlichtungsverfahren, welches zumeist der Anwalt des Mobilfunkkunden betreut, verursacht zusätzliche Kosten. Andererseits soll sich niemand vorwerfen lassen, er hätte nicht alles versucht. Hier ist sicherlich Fingerspitzengefühl angesagt. Die Beantwortung der Frage hängt auch von der Persönlichkeit des Mobilfunkkunden ab. Fragen Sie Ihren Anwalt!
 

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