News 2011, Kategorie: AboFallen, Alle Newsartikel, InternetRecht

Unerbetener Werbeanruf: Kostenloses Webdesign! Abzockfalle für Unternehmer?

Geschrieben von Virabell Schuster am 13. Mai 2011 um 17:43 Uhr

Es trägt sich immer noch zu, dass gerade Unternehmensgründer ohne Internetauftritt unverlangte Werbeanrufe von Webdienstleistern erhalten. Aber auch Unternehmer mit vorhandener Internetpräsenz gehören zur Zielgruppe dieses Systems.

Sinngemäß wird erklärt, man sei bereit, mit dem Unternehmer zusammen zu arbeiten und ihm kostenlos eine Homepage zu erstellen. In diesem Moment erscheint der Anruf gerade zur rechten Zeit zu kommen: eine Homepage und das ganze kostenlos! Man müsse nur als Referenzkunde zur Verfügung stehen. Das sei schon alles. „Besser könnte es nicht laufen“ denkt sich der Unternehmer. Allerdings, so rudert der Telefonverkäufer zurück, man müsse sich erst ein Bild vom Unternehmen machen um zu entscheiden, ob eine Zusammenarbeit in Betracht kommt! Hierzu sei ein persönliches Gespräch erforderlich. Da kommt Panik beim Unternehmer auf, befindet er sich doch gerade im Aufbau und hat er doch (noch) kein repräsentatives Büro. „Kein Problem“, sagt der freundliche Telefonverkäufer, „das ist reine Formsache; wir haben uns schon mit Ihrem Unternehmen befasst; sonst hätten wir Sie doch gar nicht angerufen“. Das Aufatmen des Existenzgründers ist hörbar, vor allem für den geschulten Telefonverkäufer. Es kommt zu Termin. Es wird geredet über den Internetauftritt und was alles gemacht werden soll. Man müsse sich nur gleich entscheiden. Der nächste Interessent wartet bereits. Man müsse nur den Vertrag unterschreiben usw. Der Unternehmer unterschreibt. Fühlt er sich doch geschmeichelt und na ja, man will ja jetzt auch keine Schwäche zeigen. Und schon schnappt die Falle zu.

Worum geht es? Sicherlich wird die Website kostenlos erstellt (vermutlich über eines von mehreren bereits vorgefertigten Templates). Dabei dürfte es sich um ein Webdesign handeln, dass heutzutage jeder Internetuser selbst erstellen kann. Nicht im Preis inbegriffen sind sicherlich folgende Komponenten: Übernahme und Verwaltung bestehender Domains oder Neuregistrierung, das Hosting auf dem Server des Dienstleisters, das zwingend notwendige Online-Marketing (SEO: Search Engine Optimization; SEA: Search Engine Advertizing) und nicht zuletzt all die Maßnahmen, die ein professionelles Webdesign überhaupt erst ausmacht. Ganz zum Schluss geht es natürlich auch darum, wer die Urheberrechts- bzw. Verwertungsrechte an der neu erstellten Homepage, insbesondere am Aufbau der Seite, erhält. Eine fehlende Absprache diesbezüglich kann dazu führen, das im Fall der Vertragsbeendigung die gesamte Seite neu erstellt werden muß.

Fazit:

  • Vorsicht vor vermeintlich kostenlosen Angeboten. Der Unternehmer sollte sich die Gesamtkosten ausrechnen lassen und in Ruhe Angebote anderer Webdienstleister einholen.
  • Es sollte sich der Unternehmer keinesfalls unter Druck setzen lassen mit Aussagen wie: „Sie müssen sich aber gleich entscheiden, sonst ist das Angebot hinfällig“. Bei einer solchen Aussage müssen zwingend sämtliche Alarmglocken läuten.
  • Unterschreiben Sie nie vorschnell. Ein Vertrag zwischen Unternehmer kann grundsätzlich nicht widerrufen werden.
  • Sollten Sie dennoch einen solchen Vertrag unterschrieben haben und daran nicht festhalten wollen, sollten Sie fachlichen Rat in Anspruch nehmen.

Sie können auch gerne Ihre Erfahrungen zu diesem Thema hier im Blog als Kommentar hinterlassen und so mit anderen Betroffenen in Verbindung treten.

Für Fragen zu diesem Thema stehe ich Ihnen auch gerne zur Verfügung.

5 Kommentare zu “Unerbetener Werbeanruf: Kostenloses Webdesign! Abzockfalle für Unternehmer?”

  1. Bärbel Loy sagt:

    Interessanter Artikel. Ich finde gut, dass dieses Thema mal von Jemanden im Netz hier aufgegriffen wird. Bleibt nur noch zu hoffen, dass potentielle Kunden sich die zu unterschreibenden Verträge wirklich genauer ansehen. Ich habe auch schon davon gehört, dass Kunden einen Webauftritt kostenlos und maßgeschneidert bekommen – anschließend aber eine enorme Monatsmiete über eine fest vereinbarte Laufzeit leisten müssen.
    Hier sollte der Kunde auch mal die Gesamtkosten kalkulieren und nicht dem Irrtum verfallen, ein Schnäpchen gemacht zu haben.

  2. Monika H. sagt:

    Gibt es das immer noch? Genau das ist mehr vor etwa 5 Jahren mit einer Firma in Düsseldorf passiert. Die Firma gibt es heute noch. Man findet immer mal wieder Berichte im Internet über die Firma. Ich war auch Existenzgründer. Die Einzelheiten weiß ich auch nicht mehr so genau. Es war aber so ähnlich, wie in dem Bericht geschrieben. Es kam dann ein junger Mann zu mir. Und wie versprochen wollten die die Homepage kostenlos machen. Aber ich bräuchte noch dies und jenes. Am Ende sollte ich mich für 2 Jahre binden und jährlich Kosten in Höhe von ca. 2.500,00 EUR bezahlen. Das war natürlich schon der Sonderpreis. Ich war völlig überfordert und habe unterschrieben. Der Mann war gerade paar Minuten weg, da kam mein damaliger Freund und sagte ob ich nicht alle Tassen im Schrank hätte. Gott sei Dank hatte ich die Handy-Nummer von dem Typ, hab ihn angerufen und hab gefragt, ob er eben noch mal vorbei kommen kann, weil mein Freund auch Interesse an einer Homepage hätte. Der junge Mann kam wieder und um den Rest hat sich mein Freund gekümmert. Seit dem unterschreibe ich nie mehr etwas, wenn es heißt, sie müssen gleich unterschreiben.

    1. Pablo Veracruz sagt:

      Wenn eine Firma schon anruft dann blocke ich ab. Solche sgn. “Cold Callings” nutzen nur dem Anrufer. Seriöse Firmen haben das nicht nötig und wenn es die Düsseldorfer Firma ist die ich meine, dann ist die hochgradig unseriös

  3. Hallo Frau Schuster, neben den „sonst üblichen“ Rechtsverletzungen sprechen Sie hier eine weit verbreitete Vorgehensweise an.

    Wir führen beinahe täglich Gespräche mit verzweifelten Kunden, die Hilfe mit Ihrer Seite benötigen, weil sie die Kontrolle darüber verloren haben.

    Die Anziehungskraft eines Gratis-Angebots ist nach wie vor leider ungebrochen …

  4. Unverlangte Werbeanrufe ganz grundsätzlich und natürlich von Webdienstleistern sind etwa so zielführend wie die Eröffnung eines Brennholzverleihs. Da aber die Brennholzvorräte gross und Interessenten für dieses «Geschäftsmodell» nicht auszusterben drohen, ist es ein Segen für die spätere geordnete Rückabwicklung des holziges Geschäfts bei der Anwaltskanzlei Schuster professionelle Hilfe anzufordern.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

zurück
Nach oben
Nach oben
Telefon
Anruf
E-Mail
E-Mail